Vor langer Zeit

Gehen wir 100 oder 200 Jahre zurück. Wie haben die Menschen damals gelebt? Was haben sie gedacht? Was war ihnen wichtig? Auf www.deutsche-digitale-bibliothek.de sind unzählige Zeitungen bis ins 17. Jahrhundert zu lesen. Die Schrift ist verschnörkelt und nicht gut lesbar. Ein paar Anekdoten und eine Satire habe ich abgeschrieben (damals gültige Orthografie übernommen). Es liest sich wie eine Reise in eine lang vergangene Zeit. Neugierig geworden?


Der Fliegenprozess
(Abschrift aus der Zeitschrift: Miscellen zur Belehrung und Unterhaltung,
21.01. – 04.02.1820)

An einem schönen Sommertage des Jahres 1625 schmauchte der Gewürzkrämer und regierende Bürgermeister des Städtleins Ziegenberg, Herr Tobias Nußknacker, ein Pfeiflein Tabak zum Fenster heraus, und ergötzte sich an den ehrfurchtsvollen Bücklingen seiner vorübergehenden Unterthanen. „Es ist doch wahrlich recht anzusehen, ein vornehmer Mann zu seyn!“ sprach er für sich. „Ich bin in jeder Betrachtung, sowohl an Reichthum als Macht, der König von Ziegenberg, und Trotz sey dem geboten, der mir Achtung und Gehorsam verweigert!“

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Ostern
(Abschrift von der Titelseite der Ausgabe „Badische Volks-Zeitung“ (Mannheimer Stadt-Anzeiger und Handels-Zeitung, Sonntag, 25. April 1886)

Wieder hat sich die Erde in zartes, frisches Grün, den Reiz des jungen Lenzes, gekleidet. Lange hat der Winter die Natur und auch unser Denken und Fühlen in seinem eisigen Banne gehalten; aber nun geht der warme Athem des Frühlings über Wald und Flur und weckt mit innigem Rufe die Blümlein, die dort unten schliefen; er umkost schmeichelnd die Menschenbrust, die dem Frühling sich so gerne erschließt; mächtig regt es sich in allen Zweigen. Ueber Nacht sind die saftgeschwellten Knospen an Baum und Strauch aufgesprungen; von dem dunklen Holz der kahlen Aeste hebt sich das zarte Grün eben entfalteter Blättchen hellschimmernd ab, und über die Matten breitet sich ein glänzender, grünsammtner Teppich aus mit gar köstlicher Stickerei von eingewirkten Blümlein tausenderlei Namen und Art.

Und der Himmel freut sich des knospenden Lebens. Die grämlichen Wetterwolken, die so lange wie eine dunkle Drohung über unserem Haupte hingen, sind von seiner Stirne hinweggewischt; aus wallenden Nebelschleiern ringt sich die Sonne siegreich lächeln hervor.

Und in den Frühlingsjubel aller Wesen stimmt auch das Menschenherz mit ein. Da drinnen ist der Lenz ja gleichfalls eingekehrt; sein belebender Hauch hat auch hier das Eis hinweggeschmolzen und dem dürren Boden sind neue grüne Triebe der Hoffnung entkeimt. Trunkenen Blickes schweift das Auge über die neugeborene, zu neuem Leben auferstandene Erde; das Werden in der Natur kündet’s dem Menschen, daß auch für ihn die Zeit zu neuem Schaffen gekommen.


Über die Erwerbsfähigkeit der Arbeiterinnen in Berlin
(Abschrift aus Badische Volks-Zeitung“ (Mannheimer Stadt-Anzeiger und Handels-Zeitung), 28.08.1885)

Zeigt, wie schwer es ledige, alleinstehende Frauen damals hatten.

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