Gehen wir 100 oder 200 Jahre zurück. Wie haben die Menschen damals gelebt? Was haben sie gedacht? Was war ihnen wichtig? Auf www.deutsche-digitale-bibliothek.de sind unzählige Zeitungen bis ins 17. Jahrhundert zu lesen. Die Schrift ist verschnörkelt und oft nicht gut lesbar. Ein paar Artikel, Anekdoten und eine Satire habe ich abgeschrieben (damals gültige Orthografie übernommen). Es liest sich wie eine Reise in die Vergangenheit. Neugierig geworden?
Der Fliegenprozess
(Abschrift aus der Zeitschrift: Miscellen zur Belehrung und Unterhaltung,
21.01. – 04.02.1820)
An einem schönen Sommertage des Jahres 1625 schmauchte der Gewürzkrämer und regierende Bürgermeister des Städtleins Ziegenberg, Herr Tobias Nußknacker, ein Pfeiflein Tabak zum Fenster heraus, und ergötzte sich an den ehrfurchtsvollen Bücklingen seiner vorübergehenden Unterthanen. „Es ist doch wahrlich recht anzusehen, ein vornehmer Mann zu seyn!“ sprach er für sich. „Ich bin in jeder Betrachtung, sowohl an Reichthum als Macht, der König von Ziegenberg, und Trotz sey dem geboten, der mir Achtung und Gehorsam verweigert!“
Der eingebildete Schwätzer
(Abschrift aus der Zeitung „Miscellen zur Belehrung und Unterhaltung“,
14.07.1820)
„Herr von M., welcher überall den Ton anzugeben gewohnt war, war unter anderem von seiner Genialität im Erzählen so eingenommen, daß, wenn ihn einmal der Strom seiner Redseligkeit fortriß, er sich durch niemanden unterbrechen ließ. Als nun auch einmal seine Erzählungswuth, einem geduldigen Zuhörer gegenüber, dergestalt ausbrach, daß dieser die Geduldsprobe nicht länger auszuhalten vermochte, indem er nicht ein einziges Wort dabei vorbringen konnte, so ließ dieser ihn endlich stehen und ging davon. Unser Schwätzer-Genie, welchem dies verdroß, wendete sich zu seinem Nachbar und sagte zu ihm: Ich hätte jenem Herrn mehr Verstand zugetraut, aber er hat bei meiner Unterhaltung nicht den Mund aufgethan. – Ich bitte um Entschuldigung, erwiederte jener, ich habe ihn wohl sechsmal dabei gähnen sehn.“
Ostern
(Abschrift von der Titelseite der Ausgabe „Badische Volks-Zeitung“ (Mannheimer Stadt-Anzeiger und Handels-Zeitung, Sonntag, 25. April 1886)
„Wieder hat sich die Erde in zartes, frisches Grün, den Reiz des jungen Lenzes, gekleidet. Lange hat der Winter die Natur und auch unser Denken und Fühlen in seinem eisigen Banne gehalten;
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Über die Erwerbsfähigkeit der Arbeiterinnen in Berlin
(Abschrift aus Badische Volks-Zeitung“ (Mannheimer Stadt-Anzeiger und Handels-Zeitung), 28.08.1885)
Zeigt, wie schwer es ledige, alleinstehende Frauen damals hatten, mit ihrem Verdienst den eigenen Unterhalt zu bestreiten.
Eine lustige Anekdote aus Heidelberg
(Abschrift aus der Langenberger Zeitung, 28.04.1926)
„Ein lustiges Anekdötchen weiß das Heidelberger Tageblatt zu erzählen: …“
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Mit 50 Pfennig ein reicher Mann werden
(Abschrift einer Werbeanzeige aus der Langenberger Zeitung, 23.04.1926)
„Mit 50 Pfennig ein reicher Mann zu werden, ist eine Leistung, die keinerlei Anstrengungen erfordert: Beteiligen Sie sich aktiv an der Reichs-Gesundheits-Woche, – leben Sie für die Dauer von 8 Tagen Ihrer Gesundheit, – trinken Sie während dieser Zeit Kathreiners Malzkaffee (1 Pfund 50 Pfg.) und beobachten Sie die Wirkung. Sie werden ihn dann immer trinken. Sie werden ihn gern trinken. Sie werden gesund sein. Sie werden reicher als ein kranker Millionär sein.“