Über Liebe ist schon so viel gesagt, geschrieben, gedichtet und gesungen worden. Von Mutters Küchenradio inspiriert, hab ich mir als Kind die Liebe als eine schöne Frau vorgestellt, über die man gerne singt. Sie war sehr berühmt und wohnte in Frankreich. „Ganz Paris träumt von der Liebe, denn dort ist sie ja zuhaus.“ — Doch mit dem Älterwerden wird die Vorstellung, die man von der Liebe hat – leider oder zum Glück – komplexer. Liebe kann kompliziert sein. Liebe macht verletzbar. Das, was man fälschlicherweise für Liebe hält, kann Schaden anrichten. Liebe kann aber auch das Schönste und Wertvollste sein: Ein großes Glück und Geschenk, das heilt und vereint.
Dann kann Liebe „Einfach Liebe“ sein.
Alle Gedichte und Geschichten © Anita Hasel
Einfach lieben
Einfach spüren, wie du mich streichelst.
Einfach sehen, was du fühlst.
Einfach sagen, was ich denke.
Einfach für dich da sein.
Einfach lieben.
Einfach Liebe
dein Lächeln, das mich ansieht
deine Hände, die mich streicheln
deine Arme, die mich umsorgen
deine Hilfe, die mich rührt
dein Versprechen, das mich hält
deine Liebe, die so einfach ist
Sucht nach Liebe
Ich glaub‘, ich sehne mich
nach dem warmen, vertrauten Klang der Stimme,
nach den Händen, die alles tun, ohne zu fordern,
nach den Gesten, die verstehen,
nach den Augen, die so viel sagen –
trotz all der nichts sagenden Dinge, die uns berauben.
Ich glaub‘, es drängt mich,
meinen Gedanken und Gefühlen Ausdruck zu geben,
zu wissen, da ist jemand, der würde alles für mich tun,
zu wissen, er würde mich verstehen,
all meine Ängste, Zweifel, Hoffnungen, Wünsche erahnen –
und all mein Glück.
Ich glaub‘, ich bin süchtig,
nach Wärme,
nach Geborgenheit,
nach Zufriedenheit,
nach Harmonie,
– nach Liebe.
Das Hohelied der Liebe (aus der Bibel, 1. Korinther 13)
„Wenn ich mit Menschen- und mit Engelszungen redete, und hätte die Liebe nicht, so wäre ich ein tönend Erz oder eine klingende Schelle.
Und wenn ich weissagen könnte und wüsste alle Geheimnisse und alle Erkenntnis und hätte allen Glauben, der Berge versetzt, und hätte die Liebe nicht, so wäre ich nichts.
Und wenn ich alle meine Habe den Armen gäbe und ließe meinen Leib brennen, und hätte die Liebe nicht, so wäre mir es nichts nütze.
Die Liebe ist langmütig und freundlich, die Liebe eifert nicht, die Liebe treibt nicht Mutwillen, sie bläht sich nicht auf, sie stellt sich nicht ungebärdig, sie sucht nicht das Ihre, sie lässt sich nicht erbittern, sie rechnet das Böse nicht an, sie freut sich nicht mit der Ungerechtigkeit, sie freut sich aber der Wahrheit; sie verträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie duldet alles.
Die Liebe hört niemals auf.
Nun aber bleibt Glaube, Hoffnung, Liebe, die drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen.“
Die geheimnisvolle Frau
Gefühle werden nicht dement – eine Kurzgeschichte
„Es geht alles vorbei“, sagte sie noch und ging dann weiter.
Herrmann Schad schaute ihr nach und schmunzelte, obwohl sie ihm leid tat. Vornübergebeugt schob sie den Rollator vor sich her und schlurfte dabei über den Kies des kleinen Rundweges. Frau Meier mit „ei“ wie in Kartoffelbrei, eine wunderliche alte Frau, dachte er. Wie sie das „ei“ betont hatte, als würde sie mit einem Kleinkind reden, es war einfach zu drollig gewesen.
Eine gut aussehende, ältere Dame auf der Bank ihm schräg gegenüber lächelte ihn an. Höflich lüpfte Herrmann seinen Hut und strahlte zurück. Was für ein hübsches Gesicht, das musste er sich näher betrachten. Mit federndem Schritt ging er auf sie zu.
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Liebesdinge
Wer haucht den Dingen Leben ein?
Mit Lieb‘ geschenkt glänzt so ein Ding
noch heller als der schönste Ring
noch nobler als ein Edelstein.
Das kann nur wahre Liebe sein,
die Achtsamkeit bedachtsam schwört
mit feinen, wundersamen Dingen
die Zärtlichkeit und Zartheit bringen.
Ein kleines Glück von großem Wert,
zerbrechlich, viel zu leicht zerstört
in jähem Zorn, im hohen Fall
mit einem wahren Donnerknall
bricht so für immer dieser Schein.
Wer haucht den Dingen Leben ein?
Unverschämtes Glück
Manchmal verpasst man aus lauter Angst sein Glück: Eine Kurzgeschichte
Paula und Paul gehörten zusammen wie der Wind und das Meer. Seit dem Tanztee. Das war schon sehr lange her. Sie erinnerte sich noch gut an die steinharten Biskuits, an denen der Zuckerguss abbröckelte, wenn man sie anfasste. Im gleichen Viertel war damals ein Zahnarzt ansässig, der an den Tanzteeopfern ganz gut verdiente. Edle Biskuits nach Herrenart. In heiße Schokolade getaucht, konnte man sie sogar eine echte Leckerei nennen.
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Versehrte Verse
Verliebt, verlobt, verlogen.
Veralberung? Verhört?
Versprechungen verbogen.
Veronika verstört.
Verlobter Vera Verde
verräterisch verschwieg!
Vergangenheit, verkehrte,
Veronika vertrieb.
Verwirrt, Verstand verwaist.
Versprechungen verblassen.
Veronika verreist.
Verliebt, verlobt, verlassen.