Leicht sein

Sich selbst und sein Leben leichter machen

… mit Humor

“Das Leben ist schwer genug.” …Warum es sich nicht leichter machen: Mit Humor! Auch über sich selbst mal lachen, sich selbst nicht so schwer/ nicht so wichtig nehmen, auch ernsten Situationen noch etwas abgewinnen können, über das man schmunzeln kann. Humor ist eine wertvolle Gabe!

“Engel können fliegen,
weil sie sich selbst
nicht zu schwer nehmen.”
(Gilbert Keith Chesterton)

“Dein Auge kann die Welt dir hell und trübe machen.
Wie du sie ansiehst, wird sie weinen oder lachen.”
(Friedrich Rückert, 1788-1866)


… mit Fantasie

Was wäre der Mensch ohne seine Fantasie? Keine Erfindung ohne Vorstellungskraft. Schöpfung entsteht schon im Kopf, noch ehe sie real wird. Architektur, Literatur, jede Art von Kunst wäre ohne den zündenden Funken der Fantasie als Inspiration nicht existent.


Alle Gedichte © Anita Hasel


Das Herz der Dinge

Wer geht den Dingen auf den Grund,
wo Zeit verweilt
im Schatten eines alten Baumes?

Wer hört das Farbenspiel
des Mondes?

Wer hält in seinen hohlen Händen
die Sonnenluft
auf den Vergissmeinnicht?

Wer riecht das frohe Seufzen
nun endlich satter Erde?

Wer spürt die Ewigkeit
im Lachen
eines Kindes?

Wer schmeckt die Lust
nach Salz und Sonne
auf der Wange?

Wer Welten auf den Pinsel streicht,
um sie ins Licht zu tauchen,
der schaut ins Herz der Dinge.


Das Zauberherz

Mein Herz,
das hüpft
auf einem Bein
so hoch
wie wilde Fohlen,

es tanzt
dem Lied befohlen
das in meine Kehle kroch,

schon schlüpft
ein Lachen flink heraus,

kein Stein
der nicht vor diesem Haus
gelegt
allein zum Gehen
unbewegt
und doch viel mehr ist
als nur Stein.

Mein Herz,
das muss verzaubert sein!


Bei mir selbst

Schließ die Augen ich, ganz wach,
klingt Musik mit süßen Tönen,
in mir, will mich sanft versöhnen
mit mir selbst, der Welt, dem Tag.

Lärm und Leiden sind nicht mehr.
Leichthin schweben die Gedanken,
die um Sphärenklänge ranken,
hoch hinauf, ins Lichtermeer.

Schauer streicheln meine Haut.
Wohlig atmet mich das Leben,
schwerelos mich zu erheben
bin ich selbst, mir selbst vertraut.

Kunterbunt ist all mein Sinnen,
das mich auf die Reise nimmt.
Nur die Fantasie bestimmt.
Wird die Ewigkeit beginnen?


Das faule Leben

Liegen ist im allgemeinen
reinen Bett mit Leinen,
Kaviar und Sekt
ganz nett.

Aufsteh’n ist hingegen
wegen Mühe beim Erheben
und Bewegen in der Frühe
eine Pein
und fies gemein.


Mehr als Worte

Der Maler malt ein Bild
mit Farben, wunderschön.
So animalisch wild,
lebendig anzuseh‘n.

Der Schreiber schreibt ein Buch,
mit Worten, die betör‘n,
verwandeln Glück und Fluch,
fantastisch anzuhör‘n.

Und wer das Bild dort sah,
der träumt, so müsst es sein:
So schön zum Greifen nah,
das Leben voller Wein.

Doch wer das Buch verschlang,
noch eh‘ der Morgen graut,
weil hoffnungsvoll und bang
er auf das Ende schaut,

dem war‘s als wär‘ er dort,
weit weg von Gram und Leid,
gewesen an dem Ort,
dem Tor zur Ewigkeit.


Die Klamottenmotte

Lieselotte hieß die flotte,
schrankbekannte Kleidermotte.

Sie war kaki, nicht nur braun.
Kaki war der zarte Flaum
Baumwollfäden von dem Saum
einer bunten Strickklamotte,
echte Marke Hottentotte,
den sie um die Hüfte schlang,
immer an der Wand entlang,
denn die Motte mochte Fun.

Lieselotte war ein Feger,
spielte mit dem Mottenjäger.
Doch das Ende sah ein jeder
von der braunen Mottenrotte
kommen für die Lieselotte.
Außerhalb vom dunklen Raum
gab es für sie Hoffnung kaum.

Mitten an der weißen Wand,
wo die Mittagssonne stand,
schwebte über Lieselotte
eine riesengroße Hand
vom besagten Mottenjäger
mit dem Riesenhaushaltsfeger.

So fand die Klamottenmotte,
echte Marke Hottentotte,
in der großen Mottenkiste
einen Platz, kam auf die Liste
flotter toter Motten –
Siehste!


Der Schildkrötstein

Es steht der Fred auf dem Atoll
und weiß nicht, was er machen soll.
Die Gischt, sie quoll, von Quallen voll,
so dass die große Zehe schwoll.

Die Qual drang ein in sein Gebein,
und zwang den Fred im Sonnenschein
zu hüpfen nur auf einem Bein.
Sein Schuh, der lag auf einem Stein,

fast platt, ganz glatt, halbkugelrund,
ein äußerst selten schöner Fund.
Ein Stein verwachsen fest im Grund,
den sucht er nun seit einer Stund`.

Der Wind vom Westen fester bläht.
Da! Endlich hat er ihn erspäht!
Der Stein hat Beine und er dreht
zu Fred, der steht, weil nix mehr geht.

Bedrückt gebückt zerrt er am Schuh.
Doch dieses Teil geht nicht mehr zu,
und schlimmer noch: Es ist der Clou:
Es schauen zwanzig Möwen zu!

Er hopsend in die Welle fällt,
die momentan am Strand zerschellt.
Sein greller Schrei beschallt die Welt,
der bange in den Ohren gellt.

Der Untergang nicht lange droht:
Die Rettung naht in Form von Claude.
Ein rosarotes Rettungsboot,
holt den Idiot aus seiner Not.

Es weiß der Fred auf dem Atoll,
nun endlich, was er machen soll.
Ist die del Sol auch noch so toll:
Vom Meer hat er die Nase voll!


Ein Zeichen-Krimi

Ein Fragezeichen ging mal aus.
Gebückt und krumm
schlich es herum.
Sonst ging es niemals aus dem Haus.
Es machte sich rein gar nichts d‘raus.

Da trat ein Stecken um die Eck’
und rief gleich aus:
„Wie siehst du aus?!
So hässlich krumm und voller Dreck!
Da kriegt man ja `nen Riesenschreck!“

Das krumme Zeichen stille stand.
Die Stirn gewellt,
die Brust geschwellt,
ein spitzes Komma in der Hand
und das Gesicht bleich wie die Wand.

„Oh! Hat mein Ausruf dich erregt?“
Der Stecken starr
geworden war,
und hat sich sichtlich überlegt,
dass er sich gar nicht mehr bewegt.

Das Fragezeichen näher kam,
trat auf ihn zu,
in einem Nu,
den üblen Atem er vernahm,
da wurden ihm die Knie lahm.

Der Stecken knickte furchtbar ein,
saß wie ein Joint
auf seinem Point,
zerdrückt, zerpflückt, ein armes Schwein.
Das kann kein Ausruf-Zeichen sein!

Das riesengroße, krumme Ding,
den Dorn gezückt,
hinab gebückt,
an seinen spröden Lippen hing:
“Was hattest du gesagt vorhin?

Ich fang nicht mehr zu schwatzen an,
seitdem ich nicht mehr hören kann.
Doch welche Pein,
kann Jucken sein
am Po. Ich komm damit nicht ran.
Kannst du mich damit kratzen, Mann?”


Kill Bill in Kiel

Der Morgen graute schon um Vier.
In Kiel war’s kühl, doch g‘rade hier
traf sich ein Paar
mit festem Haar,
und Pudeltier, am dunklen Pier.

Alfreda fror am roten Ohr,
als Friedolin ihr Liebe schwor.
Der Spaß war krass
und richtig nass,
zu nass, dass sie ihr Herz verlor.

Ihr Haarband harrte fest am Haar,
als sei es festgewachsen gar.
Ein Regentropf
klopfte vom Schopf
auf Friedolin, der trocken war.

Sie gluckste jeck, ja keck vom Fleck
und freier von der Leber weg.
Sein müder Hund
biss ohne Grund,
denn Bellen hatte keinen Zweck.

Schrill schrie sie: „Bill!“, bevor sie still
und lautlos auf den Köter fiel.
Friedolins Kinn
sank tiefer hin:
Der Fall war viel zu viel für Bill.

Das Herrchen tobte ohne Zier:
„Nie wieder schenk mein Herz ich dir!“
Alfreda war
nie wieder da
des Nachts um Vier am Hafenpier.


Kladderadatsch

Paule jüngst zu Pfingsten fiel
von dem Pferde
auf die Erde,
heftig klatschte
seine Glatze
in den schlappen Schlamm am Damm.

Was kam dann?

Ziemlich heiter
ritt ein Reiter
auf dem Modderdamm im Schlamm,
sah den faulen Paule sitzen
– schon von weitem sah er’s spritzen –
hielt mit spitzer Miene an.

Was war dann?

Aufzustehen,
fortzugehen,
eifrig war der Paul damit,
doch er glitt gleich aus im Schritt,
griff zur Hilf’ so schnell man kann
nach dem holden Reitersmann.

Ja, und dann?

Heiter war der Reiter leider
nicht mehr lange,
denn sodanne
saßen Zwei im gleichen Matsch –

Kladderadatsch!


Der Nebeljunge

Die Nacht war still, doch klingeling,
da bringt der Nachbar mir ein Ding,
so ein Paket mit großen Schleifen,
die sind nur rot und nicht zum Greifen.

Posaunenbacken sagt er keck:
„Auf Ihrem Nachthemd ist ein Fleck.
Hab ich Sie aus dem Schlaf gerissen?
Da hätt‘ ich gar ein schlecht Gewissen!“

Grad so verbeiß ich mir zu sagen:
„Ich schlafe nie an Feiertagen.“
Mein trüber Blick sieht etwas funkeln –
ein Rentier glitzert noch im Dunkeln.

Da zerrt das Ding an meinen Armen,
will zu mir hoch, kennt kein Erbarmen,
die Treppe ächzt mit jedem Schritt,
und die Haubitze scheppert mit.

Ra-Rumms, es zittern nicht nur meine,
vor allem auch des Tisches Beine.
Da liegt es nun, so gut verpackt,
dass mir ein Fingernagel kracht.

Bei wem kann ich mich jetzt beschweren?
Wer wollte mich so spät bescheren?
Kein Name ist darauf zu finden,
da hilft nur noch es aufzubinden.

Ich fummle an den roten Schlingen.
Aha, es kommt aus Überlingen!
Ich reiße an dem festen Pack
und sehe einen dicken Sack.

Die Jute zeigt sich störrisch gar,
das Messer auch mal schärfer war,
doch gut genug um mich zu schneiden,
kann rote Spritzer nicht vermeiden,

sie zieren jetzt auf grauem Stein
ein Bild, auf dem ein Ackerrain
im Nebel schwer erkennbar scheint –
ein Junge sitzt am Weg und weint.

Verdutzt studier‘ ich das Gebilde.
Was führte jener nur im Schilde,
der mir dies traurig Ding geschenkt,
an das man nicht im Alptraum denkt?

Ich dreh‘ es um und finde Worte,
verkratzt und von der alten Sorte,
wie früher man sie niederschrieb.
Das meiste noch gut lesbar blieb:

Ich hab’s gemalt, auf Stein gefasst,
ein jeder hat das Bild gehasst,
das ich geliebt, doch jeden Dieb,
es hastig aus dem Heim vertrieb.

Sehr lange hing es an der Wand,
zum Kaufen sich gar niemand fand.
Besucher kamen nicht mehr rein,
mein Herz hing an dem Bild allein.

Die Einsamkeit ward immer schwerer
und auch mein Beutel wurde leerer,
bis eines Tags ein Mädchen kam,
das mein Gemälde an sich nahm.

Sie hielt es schweigend – was sie dachte
blieb mir verborgen, bis sie lachte.
Verwundert fragt‘ ich nach dem Grund,
da kam es klar aus ihrem Mund:

„Der Junge hier am Ackerrand
ist seinen ganzen Weg gerannt.
Jetzt sitzt er da und ruht sich aus
und freut sich auf sein Bett zuhaus‘.

Der Nebel ist schon aufgestiegen –
er sieht sich schon im Bette liegen,
voll Freude reibt er sich die Augen,
die bald zum Schlafen nur noch taugen.

Sie deutete ins trübe Grau
auf meinem Bild: „Schau doch genau!
Er muss nur ein paar Schritte gehen,
dann kann er es ganz deutlich sehen.

Der Junge durch den Nebel lief,
zu diesem Haus, das Dach war schief,
die Fensterläden waren blau,
und vor der Tür stand eine Frau.

Ein Hund kam hechelnd angerannt,
sein Bellen weithin ward erkannt,
wild tropfte seine rote Zunge.
Zuhause war der Nebeljunge!

Nun war ich wach, das muss ich sagen,
konnt‘ nicht mehr über Trübsinn klagen,
wollt‘ dieses Bild nun anders sehen,
ich war dabei, es umzudrehen,

doch was ich sah, ließ mich erbeben,
noch nie in meinem Erdenleben,
fand ich ein Bild so fesselnd gar:

Das Nebelkind verschwunden war.